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„Die Farben des Königs“ in der Produzentengalerie des Künstlerverbandes
POTSDAM / INNENSTADT – Auf Farben als Facetten des Charakters will der Landesverband bildender Künstler in seiner Ausstellung zu Friedrichs Person und Zeit aufmerksam machen. Die Anzahl der Bewerbungen war groß. Ausjuriert wurden alle Arbeiten, die mit dem berühmten Dreispitz auf ein schnelles Erkennen des Preußenkönigs setzten. Doch auch hier bestätigt Ausnahme die Regel: Bei Rainer Ehrt reitet der kleine Friedrich und mit ihm der Teufel und der Tod als wahrlich Großer. Albrecht Dürer lässt respektvoll grüßen.
Marianne Gielen bringt kongenial die Folgen jener Dreieinigkeit ins Bild. Ihre expressive Malerei trifft in dem hier so überzeugenden Farbchaos makaber die Situation zur Zeit der Schlesischen Kriege mit Rot für das vergossene Blut, gelblichen Tönen für Sand und dem Schwarz des Schießpulvers. Zwischen Gielen und Ehrt leuchtet der von Rainer Gottemeier auf Preußens Uniformfarben gesetzte Schriftzug „Superbe“, der Name von Friedrichs Lieblingshund und Bettgenossen.
Hunde überlebten alle Höhen und Tiefen preußisch-deutscher Geschichte. Maren Simon hat Hundekot einem Törtchen gleich in eine goldene Manschette eingewickelt und unter einer großen, formschönen Käseglocke konserviert. Kommentiert wird das mit einem Spruch des französischen Königs Ludwig XV. nach der gegen Friedrich verlorenen Schlacht bei Roßbach: „Er kann mich schlagen, aber ich wette, so schöne Sahnetörtchen wie ich bringt er nicht zustande“.
Jutta Pelz schafft mit ihren fliederfarbenen Textilschnitten eine Kette von Assoziationen zur preußischen Wirtschaftsgeschichte. Beeindruckend sind Ade Freys zwölf Blätter zur Geschichte des Stadtschlosses, konzentriert auf die Farben Schwarz und Rot. In ihrer sich selbst genügenden, sorgsam ausgewogenen künstlerischen Form haben sie auch ohne thematischen Bezug Bestand.
Besonderes Gewicht in der Ausstellung hat ein extra dafür gefertigtes Video von Ushi F und Walter Gramming, das Texte von Heiner Müller verfremdet visualisiert. Es nennt sich ein patriotisches Puppenspiel nach Heiner Müller, dem eine Tanzperformance zugeordnet wird. Der Katalog, der trotz geringen Umfangs ausgesprochen informativ ist, gibt nähere Auskunft.
Auf den Punkt, eigentlich auf den Stuhl gebracht hat Annette Paul den für die damalige Zeit selbstverständlichen Kontrast von höfischer Pracht und missachteter Körperhygiene. Vor imitierter barocker Tapete mit dem goldenen Schriftzug „Schwelgen“ steht ein schäbiger Stuhl ohne Sitzfläche, darunter ein Blecheimer. Pikanterweise kommt das Tapetenmotiv aus dem Sächsischen. Vergilbte Tapetenpracht im ältesten Hochhaus Dresdens war für Annette Paul Inspirationsquelle. Zur Vernissage war Friedrichs Nachtstuhl zur Seite gerückt und vor die Tapete ein fast stilechter Tisch gestellt. Die Künstlerin selbst schenkte den Gästen Tee ein. Leider ist nicht jeden Tag Vernissage. Vielleicht gibt es noch eine Finissage!